Freundeskreis Puppentheater Schweinfurt  
 Puppenspieltradition 

Namen wie Hans Ehrbar, Schorsch Müller und Uwe Brockmüller stehen für das traditionelle Puppentheater in Schweinfurt. Aus ihrer Arbeit formten sich auf Anregung von Uwe Brockmüller und Dr. Günther Fuhrmann, Leiter des Theaters der Stadt, 1973 die Puppenspieltage. Als Ausdruck des Wunsches, das Puppenspiel in Schweinfurt zu sichern, wurde im Jahr 2000 der Freundeskreis Puppentheater gegründet.


 
Kasper, Handpuppe von Joseph Bendel

"Kasperl und der Tod"
Textprobe von Hans Ehrbar

Üch bün der Tod!
So ä Sprüchmacher! Secht der, er is feuerrood! Dieweil is er käsweiß!

Üch bün der lebende Mönschenfrösser! -
Da, ess Bratwörscht, die schmecken Dir besser!

Er muss mit in die Unterwölt! -
Ich ging ja gern mit, aber... lass mer mal mei Musik spielen!

Gut! Bring Dei Musik! Ich werd tanzen!
Is des eine Trompete ... Klarinette? -
Du, dass hast a Recht! Des is a rechte Nette!

Nachert (spiel) vielleicht än Walzer?
Hupft der nicht, dann schnalzt der!
Ich zähl bis drei und dann kannst Du tanzen: "1 - 2 - 3!"

Und dann zählt Kasperl dem Tod mit seiner großen Patschen drauf...


 

Im Norden der Stadt liegt die Gemeinde Niederwerrn/ Oberwerrn, die im Mittelalter Werna genannt wurde. Um 1235 wurde Hugo von Werna, später Hugo von Trimberg genannt, dort geboren. Die Herren von Trimburg förderten den begabten Buben, der nach 1260 in Bamberg am Stift St. Gangolf als Lehrer und Rektor tätig war. Um 1300 beendete Hugo das fast 25000 Verse umfassende mittelhochdeutsche Lehrgedicht "Der Renner", das Zeugnisse früher Formen des Puppenspiels enthält, so dass Hugos Berichte für die Theaterforschung ein besonderes Licht auf die Region Schweinfurt - Bamberg fallen lassen.

Schweinfurt war als freie Reichsstadt sicher auch Anziehungspunkt für fahrendes Volk, Gaukler und Theaterleute. Als Raststation auf dem Weg zwischen Frankfurt und Nürnberg ist davon auszugehen, dass auch Puppenspieler in Schweinfurt immer wieder Spielgelegenheiten suchten.

Auch der Figurenspieler Balthasar Klein aus Joachimsthal besuchte die Stadt und ließ hier 1582 von Valentin Kröner den Text "Jonas. Ein lustigs/auch kurtzes/und nicht minder nutzes Spiel/von der Bußpredigt Jone des Propheten zu Niniue" drucken. Diese Schrift stellt den frühesten gedruckten Puppenspieltext dar und ist für die Theaterforschung von großer Bedeutung. Das einzige erhaltene Exemplar wurde unlängst in der Bibliothek der Universität Krakau wieder aufgefunden.

Die vermutlich ältesten Schweinfurter Figuren aus dem nicht näher bekannten "Kasperltheater Meyer" entstanden wohl gegen Ende des 19. Jh. Hans Ehrbar kaufte diese Puppen 1927 für sein "Original Schweinfurter Kasperltheater". Die meisten seiner Figuren schnitzte Joseph Bendel aus Würzburg. Ehrbar war mit diversen Kasperstücken, Sagen und dem "Docktor Johannes Faust" auf dem Handwagen eine bekannte Puppenspieler-Persönlichkeit in der Region.

Neben Ehrbar betrieb Otto Eberhard eine kleine Handpuppenbühne. Seine Märchen wurden von der Firma Fichtel & Sachs in Buchform veröffentlicht und von Eleonore Sachs illustriert.
Eine bedeutende, im Süden Deutschlands sehr bekannte Handpuppenbühne waren die "Coburger Künstlerischen Puppenspiele", die von Lydia Gerlicher und Schorsch Müller 1945 in Coburg gegründet wurde. Die Bühne arbeitete auch mit dem Rundfunksender Radio Frankfurt zusammen. Müller war 1947 Mitbegründer des Verbandes Deutscher Puppenspieler. Auch ein Buch "Kasperle ist da" mit farbigen Abbildungen der Figuren von Alfredo Bannenberg erschien. Der Name der Bühne wurde bis zum Ende 1982 nicht geändert, obwohl sie seit 1951 in Schweinfurt beheimatet war.


Figuren zu "Doktor Faust" von Uwe Brockmüller - Kostümgestaltung: Kathrin Brockmüller

Seit 1969 war das aus Lübeck stammende "Puppentheater ohne Namen" von Karin und Uwe Brockmüller in Oberwerrn ansässig. Im Oktober 1971 begann die Spieltätigkeit, die jeweils 1976 und 1978 zum 1. Preis im Wettbewerb der Amateurbühnen in Bochum führte. Seit 1973 wurden die Schweinfurter Puppenspieltage von dieser Bühne organisiert. 2008 wurde Brockmüller mit der "Spielenden Hand" des Verbandes Deutscher Puppentheater geehrt. Am 30. Juni 2009 starb Uwe Brockmüller unerwartet plötzlich. Sein Vermächtnis ist unter anderem ein umfangreiches Manuskript einer Schweinfurter "Puppentheater-Geschichte in Umrissen", das aus leidenschaftlicher Sammlertätigkeit und auf Basis jahrelanger intensiver geschichtlicher Studien entstand. Das "Puppentheater ohne Namen" konzentrierte seinen Spielbetrieb zuletzt auf gelegentliche Abendvorstellungen für Erwachsene, etwa mit Brockmüllers "Doktor Faust", dem "Freischütz" und "Don Juan". Dabei plante und schrieb Uwe Brockmüller auch immer weiter an eigenen, neuen Projekten, u.a. den "Griechischen Mordslustspielen", die nicht mehr zur Aufführung kamen.

 

 

 

 

 

 


Uwe Brockmüller mit Südchinesischen Fadenmarionetten, 1. Hälfte des 20 .Jahrhunderts (Foto C. P. Gras)

Lit.: Theater aus dem Koffer, Schweinfurter Museumsschriften Nr. 77, 1998; Heimatbuch Oberwerrn Teil 1, 1959; Puppentheater-Geschichte in Umrissen, 2006 (Manuskript unveröffentlicht)

 
 

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